Technologie
29.06.2023, 09:18 Uhr
Smart Home und Co.: EU will Daten besser nutzen
Moderne Autos und vernetzte Haushaltsgeräte erzeugen Daten – doch wie können
diese Informationen sinnvoll genutzt werden? Die EU will sie zugänglicher machen und gleichzeitig besser
vor Missbrauch schützen.
Daten von modernen Autos, vernetzten Haushaltsgeräten und Industrieanlagen wie
Windrädern sollen in Europa künftig besser genutzt werden. Unterhändler von EU-Staaten und
Europaparlament einigten sich in der Nacht auf ein entsprechendes Datengesetz.
Es soll rechtliche, wirtschaftliche und technische Fragen zum Zugang von Daten
klären. Bislang ist häufig unklar, wer was mit den Daten tun darf, die bei der Nutzung einer
Spülmaschine oder einer Industriemaschine mit Internetzugang entstehen. In anderen Fällen sehen die
Verträge vor, dass alle Daten vom Hersteller genutzt werden dürfen.
Es soll digital vorangehen
Die EU-Kommission nannte bei ihrem Vorschlag für das Datengesetz im vergangenen
Jahr das Beispiel eines Autobesitzers, der künftig entscheiden können soll, ob Daten mit seiner
Versicherung geteilt werden. Datensets vieler Nutzer könnten demnach auch zur Entwicklung neuer
digitaler Dienste beitragen.
Verbraucher könnten zudem davon profitieren, dass Reparaturen und Ersatzteile
durch neue Anbieter besser und günstiger werden. Auch Fabriken, landwirtschaftliche Betriebe und
Bauunternehmen könnten einen Nutzen daraus ziehen. Die EU-Kommission sagt durch die Echtzeit-Analyse von
Daten Einsparungen von 10 bis 20 Prozent im Verkehrs-, Gebäude- und Industriesektor bis 2025 voraus.
Parlament und Mitgliedsstaaten einigten sich nun darauf, künftig Schutzmassnahmen
gegen rechtswidrige Datenübermittlung durch Cloud-Anbieter zu ergreifen. Ausserdem sollen Verbraucher
und Unternehmer mehr Kontrolle über ihre Daten bekommen. Gleichzeitig soll ein Datenmarkt geschaffen und
mehr datengesteuerte Innovation möglich werden. Zudem würde Behörden in Ausnahmefällen wie bei
Hochwasserkatastrophen oder Waldbränden der Zugriff auf Daten gestattet, die in Besitz der
Privatwirtschaft sind.
«Meilenstein europäischer Digitalgesetzgebung»
Angelika Niebler von der CSU bezeichnete die Einigung als «Meilenstein der
europäischen Digitalgesetzgebung». Dadurch werde es leichter, nicht-personenbezogene Daten zu teilen.
Dies wiederum schaffe mehr Wettbewerb, da sich rund um Daten neue Geschäftsfelder entwickeln könnten.
Nach Angaben des deutschen Europaabgeordneten Damian Boeselager von der Partei
Volt wird mit dem Gesetz auch geregelt, dass die Eigentümer von mit dem Internet verbundenen Geräten das
Recht haben, die von ihren Geräten gesammelten Daten zu Geld zu machen.
Die Geräteanbieter sollen demnach Daten gesammelt anbieten können. Der Eigentümer
eines Windrades könnte so zum Beispiel die von seiner Anlage registrierten Winddaten teilen, der
Anlagenbauer hingegen die von allen Windrädern gesammelten Daten. Insgesamt sollen so Datenhandel und
Datennutzung angekurbelt werden.
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